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Der Geigenspieler

Rudolf Schiestl, 1901, Dauerausstellung
Rudolf Schiestl: Der Geigenspieler, 1901, Lithografie, kfh0099.

Rudolf Schiestl (*1878 in Würzburg, +1931 in Nürnberg) zählt zu den wichtigsten fränkischen Künstlern der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Seine Grafiken und Gemälde liefern wertvolle Einblicke in den harten Alltag des bäuerlichen Lebens und zeigen die Region um Nürnberg in einem seit dem Mittelalter unveränderten, konservierten Zustand. Hier liegt Schiestls Relevanz für die Region des Knoblauchslands begründet.

Im Jahr 1910 änderte sich Schiestls Lebensmittelpunkt, als der Künstler an die Königliche Kunstgewerbeschule in Nürnberg berufen wurde. Hier übernahm er die Professur für Zeichnen und Gebrauchsgrafik.

Das Weiße Schloss hat in seinen Beständen mehrere Dauerleihgaben von Kunstwerken Rudolf Schiestls. Hierzu gehört auch eine seiner bekanntesten Lithografien: Die Trinker.

Das nahezu quadratische Bild wird von einem schwarzen Rand gerahmt. Das Motiv ist dem Betrachter sofort klar. Vier ältere Männer sitzen um einen großen Krug an einem Tisch, der mit einer blauen Tischdecke überzogen ist. Im Farbton Blau sind auch die Ornamente des weißen Weinkrugs ausgeführt worden. Im Hintergrund öffnet ein Fenster den Blick in die von Feldern bestimmte fränkische Landschaft.

Zunächst fällt der im Profil dargestellte Bauer auf der linken Seite auf. Er hat seinen Hut abgelegt und fasst sich mit seiner großen Hand ans Kinn. Er überlegt. Sein Gegenüber beugt sich vor. Jedoch nicht zum „Denker“, sondern zu dem Mann dahinter. Der schwarz gekleidete Bauer hinten links ist die Schlüsselfigur der Szene. Er hebt seine riesige, verknöcherte Rechte nach oben und zeigt mit der linken Hand auf den Bauern in Rückenansicht. Eine deutliche Geste! Dieser beugt sich nach vorne, um aufzustehen. Seine Fußsohlen haben den Boden bereits verlassen. Um was geht es in dem sich anbahnenden Streit der Trinker? Die Antwort lässt Schiestl dem Betrachter und seiner Imagination offen.

Die Farblithographie im Weißen Schloss hat eine spannende Provenienz. Sie stammt aus der Schloss-Gaststätte Kalchreuth, wo auch Rudolf Schiestl mit seinen Schülern oft auf Exkursionen einkehrte. Nach seinem Tod richtete Hermann Wilhelm, der, wie auch Fritz Griebel, Eitel Klein oder Dore Meyer-Vax, bei Rudolf Schiestl studiert hat, einen Schiestl-Raum in der Gaststätte ein. Ein Originaldruck von Schiestls Farblithografie „Die Trinker“ durfte da natürlich nicht fehlen.

Alexander Racz, M. A. 

  • Rudolf Schiestl
  • 1901
  • Grafik
  • Lithografie
  • kfh0149
  • k.A.
  • Weißes Schloss Heroldsberg

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