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Freiherr von Godin: Ochsenklavier

Frhr. von Godin, 1897, Depot
Frhr. v. Godin: Ochsenklavier, 1897, kfh0166
Frhr. v. Godin: Ochsenklavier, 1897, kfh0166

Das aktuelle Werk des Monats ist ein Aquarell des Freiherrn von Godin, der im ausgehenden 19. Jahrhundert öfter Gast im Weißen Schloss war. Zwischen den Schlossbewohnern, der Familie von Mayer-Starzhausen, und der Familie von Godin bestanden verwandtschaftliche Beziehungen.

Zu sehen ist der Kirchenweg von Heroldsberg, in früheren Jahrhunderten die einzige Wegeverbindung zwischen dem Oberen und dem Unteren Markt. Erst viel später sollte die Lange Gasse zur Hauptverbindung werden. Links des Weges erhebt sich das Weiße Schloss, auf der gegenüberliegenden Seite, über wuchtigen Mauern, das Grüne Schloss.

Interessante Details sind die Fensterläden. Es wird in Heroldsberg immer wieder erzählt, die Namen der Schlösser rührten von der Farbe der Läden. Auf Godins Ansicht hat das Grüne Schloss rote und das Weiße Schloss grüne Fensterläden. Was für ein Widerspruch!

Hinter beiden Schlössern ragt der Kirchturm von St. Matthäus mit seinen Scharwachtürmen hervor. Er wirkt, ebenso wie das Weiße Schloss, etwas gedrungen, ganz im Gegensatz dazu wie wir die Gebäude in der Natur vorfinden. Unter dem südöstlichen Scharwachtürmchen bemerkt man gut erhalten noch eine aufgemalte Sonnenuhr.

Der Kirchenweg steigt von unten leicht an und verschwindet dann in einer Biegung nach rechts hinter der Stützmauer des Grünen Schlosses. Von oben kommt ein mit Kühen oder Ochsen bespannter Wagen in der Mitte des Kirchenwegs gefahren. 

Dieses früher allgegenwärtige Motiv gilt auch als Namensgeber für das Ochsenklavier.

Während ursprünglich der Kirchenweg im unteren Bereich noch unbefestigt war, lagen mit Beginn der Steigung quer über die Fuhre dicke Balken, sogenannte Bruckriegel. Dies war wegen der starken Steigung erforderlich, damit der Weg nicht durch Wasser ausgespült werden konnte.

Die Wagen hatten früher eisenbeschlagene Räder und es entstand gewiss ein polterndes Geräusch, wenn die Gespanne den Kirchenweg rauf- oder runterfuhren und sich dabei die Balken unter dem Gewicht bewegten. So setzte sich im Volksmund der Begriff Ochsenklavier durch. Um 1960 wurde der Kirchenweg neu gestaltet und mit einem Pflaster versehen. Der Name Ochsenklavier hat sich jedoch teilweise erhalten und ist älteren Heroldsbergern noch ein Begriff.

Man mag sicher über die künstlerische Qualität des Bildes unterschiedlicher Meinung sein, dennoch  ist es ein wichtiges ortsgeschichtliches Dokument. Es befand sich ursprünglich im Besitz der Kulturfreunde-Mitglieder Karin und Eike Oellermann, die es vor einigen Jahres dem Museum Weißes Schloss Heroldsberg schenkten.

 

Text: Eberhard Brunel-Geuder, November 2021

 

  • Frhr. von Godin
  • 1897
  • Aquarell
  • kfh0166
  • 24 x 17 cm

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