Mi. 10-13 Uhr / Fr-So 15-18 Uhr.
9. Oktober 2026 – 21. März 2027
Eitel Klein (1906-1990) gehört zu den prägenden Figuren der Nürnberger Nachkriegskunst, und doch ist sein Werk bis heute einem breiteren Publikum kaum bekannt. Die Ausstellung im Weißen Schloss Heroldsberg widmet sich nun dem Künstler und präsentiert Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle und Mischtechniken aus einem Zeitraum von mehr als fünf Jahrzehnten.
Kleins Bildwelt ist lebendig und vielstimmig. Da sind die großformatigen Figurenbilder mit ihren farbenprächtigen Gesellschaftsszenen: Frauen in roten Kleidern und gelben Hüten, Männer beim Gespräch oder die zarten Kinderporträts seiner Tocher Susanne, voller Wärme und Aufmerksamkeit für die kleinen Gesten des Alltags. Die Ausstellung zeigt zudem Ansichten: mediterrane Dörfer mit weißen Häuserfassaden und violetten Bergen im Hintergrund sowie die fränkische Heimat während der Kirschblüte.
Einen besonderen Schwerpunkt bildet ein außergewöhnlicher Konvolut: rund 450 Zeichnungen, Aquarelle und Skizzen, die Klein während seiner Kriegsgefangenschaft in Polen, Russland und Rumänien anfertigte. Diese Blätter, darunter eindringliche Portraitstudien und expressiv verdichtete Figurenzeichnungen, sind Dokumente eines Künstlers, der auch unter extremen Bedingungen nicht aufgehört hat, zu schauen und zu zeichnen. Sie verleihen der Ausstellung eine historische Tiefe, die weit über das Kunsthandwerkliche hinausgeht.

Eitel Klein: Im Schlossbad, 1965, Tempera auf Hartfaserplatte, 88 x 51 cm, kfh0066

Eitel Klein: Wegschleife bei Kalchreuth, 1939, Aquarell, 48 x 65 cm, kfh0067

Eitel Klein: Blick von Kalchreuth nach Norden, undat., Aquarell, kfh0072

Eitel Klein: Von Kalchreuth nach Norden, undat., Zeichnung, kfh0075
Klein beherrschte ein breites Spektrum an Techniken: Neben Öl und Gouache arbeitete er mit Tusche und Pinsel in rasanten, kalligraphisch anmutenden Strichen; er malte auf Zeitungspapier und entwickelte so eine eigenwillige Form der Collage, bei der die Zeitungsschlagzeilen als Teil des Bildraums lesbar bleiben. Seine Selbstporträts, darunter eine eindringliche Zeichnung vom 13. März 1989 — zeigen einen Künstler, der sich selbst mit derselben schonungslosen Aufmerksamkeit begegnete wie seinen Modellen.
Die Ausstellung wird vom Kunsthistoriker Dr. Alexander Rácz kuratiert und vereint Werke aus dem Nachlass des Künstler, sowie Leihgaben der Kunstvilla Nürnberg und privaten Leihgebern. Ein öffentliches Rahmenprogramm mit Führungen ergänzen die Schau.
Text: Dr. Alexander Rácz


