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Wenn aus Schülern Lehrer werden

Erstmals widmet das Weiße Schloss Heroldsberg Fritz Griebel und seinem Lehrer Rudolf Schiestl ab Juni 2018 eine gemeinsame Sonderausstellung. Diese beleuchtet das Verhältnis der beiden einflussreichen fränkischen Kunstschaffenden und zeigt Parallelen, aber auch Unterschiede auf. Den Anstoß gab die Aufnahme eines Graphik-Konvoluts des altfränkischen Meisters Schiestl. Seit über 30 Jahren werden erstmals wieder Arbeiten des in Vergessenheit geratenen Künstlers in größerem Rahmen zu sehen sein.

Rudolf Schiestl mit seiner Frau Margarete, 1916

Rudolf Schiestl (1878–1931) wurde in Würzburg als Sohn eines aus Tirol eingewanderten Bildhauers geboren. Nach der Ausbildung zum Bildschnitzer in der Werkstatt des Vaters studierte er ab 1896 in München an der Akademie der Bildenden Künste, u.a. bei Franz Stuck. 1910 folgte er einem Ruf nach Nürnberg als Leiter der Kunstgewerbeschule. Er schuf eine ganze Reihe sehr eindrücklicher Gemälde, die oftmals die bäuerliche Kultur Frankens zum Thema hatten.

Rudolf Schiestl, Wallfahrt nach Gößweinstein, 1927

Größere Bekanntheit erlangte er jedoch als begabter Graphiker. Er fertigte zahlreiche Radierungen, Federzeichnungen und Lithographien an, die häufig als Buchillustrationen Verbreitung fanden.

Fritz Griebel, Selbstbildnis mit leerem Bilderrahmen, 1947

Sein Schüler, Fritz Griebel, wird 1899 im unterfränkischen Unfinden geboren. Noch im selben Jahr erfolgt der Umzug der Familie nach Heroldsberg. Seine erste künstlerische Station führte Griebel zu Professor Rudolf Schiestl an die Kunstgewerbeschule in Nürnberg. Bei ihm studierte er Buchschmuck und freie Graphik. Nach einer Unterbrechung durch den Ersten Weltkrieg nimmt er sein Studium wieder auf und beendet es 1927 in Berlin. Anschließend lässt er sich als freischaffender Künstler in Heroldsberg nieder. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg erhält er einen Ruf als Professor für Malerei und freie Graphik an die AdBK Nürnberg, deren Direktor er 1948 wird. Er setzt sich stark für den Neubau des wegweisenden wie auch umstrittenen Akademiegebäudes durch Sep Ruf ein. Als Lehrender gibt er vielen Studenten-Jahrgängen Inspiration, fachliches Können und Menschlichkeit mit auf den Weg. Teile seines umfangreichen und vielseitigen Werkes haben seit 2016 einen dauerhaften Präsentationsort im 1. Obergeschoss des Weißen Schlosses. Arbeiten aus nahezu jeder Schaffensphase und in einer Vielzahl von Techniken vermitteln einen fundierten Einblick in sein Schaffen.

Schiestls und Griebels Leben berühren sich sowohl biographisch als auch künstlerisch in mehreren Punkten: ihre hingebungsvolle Tätigkeit als Lehrende, der Einfluss der fränkischen Heimat auf ihr Werk und das besondere Gespür für Gebrauchsgraphik, um nur einige zu nennen. Die Sonderausstellung wird nicht rein chronologisch Leben und Werk der beiden Künstler nacherzählen, sondern hebt entscheidende und unerwartete Verbindungspunkte hervor. Sie wird bis Ende 2018 im Weißen Schloss zu sehen sein und markiert den Auftakt für weitere Sonderausstellungen, die künftig vor Ort in regelmäßigen Abständen neue, korrespondierende Themenkreise erschließen.

Werke der eigenen Sammlung werden ergänzt durch Leihgaben u.a. der Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg. Einige dieser Arbeiten sind der Öffentlichkeit lange nicht zugänglich gewesen. Ebenso werden bisher unveröffentlichte Quellen ausgewertet und die Ergebnisse präsentiert.

Begleitend zur Ausstellung wird es ein umfangreiches Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm geben.

Frederike Schmäschke

 

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