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Werk des Monats im Mai

Philipp Geuder beim Gesellenstechen

Entstehungsjahr: 1561 | Technik: Deckfarbenmalerei | Rotes Schloss Heroldsberg

Jost Amman, Philipp Geuder beim Gesellenstechen, 1561, Reproduktion
Original: Rotes Schloss Heroldsberg, Foto: Dieter Kaletsch

Das aktuelle Werk des Monats im Weißen Schloss Heroldsberg ist eine Deckfarbenmalerei des Renaissance-Künstlers Jost Amman (* 1539 in Zürich; † März 1591 in Nürnberg) aus dem Jahre 1561. Das Blatt zeigt den Nürnberger Ratsherrn Philipp Geuder von Heroldsberg und Neunhof, Stein und Gründlach beim sog. Gesellenstechen. Die Gesellenstechen waren den mittelalterlichen Ritterturnieren ähnliche Wettkämpfe der Nürnberger Patriziersöhne.

Johann Friedrich Leonart, Philipp Geuder, 1672, Foto: Dieter Kaletsch

Zu sehen ist ein Reiter in voller Rüstung mit Lanze, der zur linken Bildseite galoppiert. Die Oberseite des Helms ziert ein silberner Stern, wie er auch in der Helmzier des Geuderschen Wappens vorkommt. Sein Schild zeigt einen Löwenkopf – ein Motiv des Heroldsberger Wappens. Das Pferd ist mit einer blauen Decke fast vollständig verhüllt. Die Pferdedecke ist mit weißen Sternen verziert. Deutlich spiegelt die blau-weiße Malerei des Reiters mit Pferd die markanten Farben des Wappens der Patrizierfamilie Geuder wider. Im hinteren Teil der Pferdedecke sind zwei Streithähne abgebildet, wohl Symbol für den Wettkampf. Assistiert wird der Reiter von einem Knappen, der in den gleichen Farben gekleidet ist und zu seinem Herrn blickt.

Philipp Geuder (* 1538 in Nürnberg, † 1581) wuchs im elterlichen Haus am Heumarkt auf und studierte an den Universitäten Padua und Bologna Rechtswissenschaft, anschließend reiste er durch Italien und nach Frankreich. Ab 1565 war er Mitglied des Rats der Stadt Nürnberg. Verheiratet war er mit Katharina Welser, die aus dem augsburgischen Patriziergeschlecht Welser stammte, das sich Ende des 15. Jahrhunderts auch in Nürnberg niedergelassen hatte. Philipp Geuder erwarb das Schloss Großgründlach, das nach seinem frühen Tod im Jahr 1581 an die Welser ging. Nicht nur in Nürnberg genoss Philipp Geuder einen ausgezeichneten Ruf, denn auch Landgraf Wilhelm zu Hessen urteilte über ihn: „Wenn Nürnberg mehr Philipp Geuder hätte, so würde es der Republik Venedig nichts nachgeben.“

Jost Amman, Gesellen-Stechen der bürgerlichen Patrizier-Söhne Nürnbergs, vom 3. März 1561. Nürnberg 1561. Bayerisches Nationalmuseum München, Inv. 49/43

Er war ein hervorragender Turnierreiter und vertrat die Geuder beim letzten Gesellenstechen auf dem Nürnberger Hauptmarkt im Jahr 1561. Ein Ölgemälde, das ebenfalls vom Künstler Jost Amman geschaffen wurde, zeigt den Platz im Zentrum der Stadt, auf dem sich die jungen Patrizier zum Turnier versammelten. Unten links am Bildrand erkennt man Philipp Geuder. Mit ziemlicher Sicherheit handelt es sich bei der Deckfarbenmalerei im Weißen Schloss Heroldsberg um einen seitenverkehrten Entwurf für das im gleichen Jahr entstandene Ölbild, das zu den Beständen des Bayerischen Nationalmuseums München gehört.

Eberhard Brunel-Geuder, Mai 2021

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